TEDCA – Teachers' Education, Development and Career in Austria

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Projektdisziplin:  Professionsforschung
Projektrahmen:
Institutionelle Kooperation aller Pädagogischen Hochschulen und der Universität Klagenfurt
Projektzeitraum:  2017 – 2020
PH Steiermark:

HS-Prof.in Mag.a Dr.in Barbara Pflanzl

HS-Prof. Mag. Dr. Georg Krammer

Das Projekt Teachers‘ Education, Development and Career in Austria (TEDCA) umfasst mehrere Längsschnittstudien, in denen die Berufsbiografie von Lehrkräften erforscht wird – von der Phase der Studienwahl und der Ausbildung über die Jahre im Beruf bis hin zu Karriereschritten inner- und außerhalb des Bildungswesens und dem Ausscheiden aus dem Berufsleben.

Die Daten erlauben Aussagen über kognitive und affektive Merkmale angehender und im Dienst stehender Lehrpersonen sowie über die Faktoren, die ihre Kompetenzentwicklung und ihre Laufbahnentscheidungen beeinflussen. Die Studie ist hinsichtlich ihres theoretischen Hintergrunds und der verwendeten Erhebungsverfahren so angelegt, dass ihre Ergebnisse auch über Österreich hinaus relevant sind.

Projektverlauf und Stichproben

Projektverlauf und Stichproben

Das Projekt TEDCA bündelt vier Teilstudien, die jeweils nach dem Jahr ihres Beginns benannt sind:

  • TEDCA-85 verfolgt die Entwicklung der Lehramtsstudierenden der Pädagogischen Akademie der Diözese Linz aus den 16 Studienjahrgängen, die zwischen 1985 und 2000 ihr Studium an dieser PA aufgenommen haben. In den bisherigen Befragungen wurden unterschiedliche thematische Schwerpunkte gesetzt. Eine Konstante bildete die Erfassung der Persönlichkeits- und Interessenstruktur beim Einstieg in das Lehramtsstudium bzw. – bei den späteren Befragungen im Beruf – die Veränderungen dieser Merkmale und das arbeitsbezogene Verhalten und Erleben. Leitung: Ernst Nausner.
  • TEDCA-95 fokussiert dieselben Merkmale wie TEDCA-85 und setzte darüber hinaus Schwerpunkte bei den Lerngelegenheiten und deren Nutzung in Studium und Beruf. Außerdem erweitert TEDCA-95 den Blick auf die Studieninteressierten und die Studienabbrecher/innen und bezieht die Studierenden und Absolvent/innen aller 14 PAs Österreichs ein. Leitung: Barbara Pflanzl.
  • TEDCA-01 schließt an TEDCA-85 an, indem es die Studienanfänger/innen der PA (ab 2007: PH) der Diözese Linz aus den 10 Jahrgängen zwischen 2001 bis 2010 beforscht. Der inhaltliche Schwerpunkt der bisherigen Erhebungen lag auf förderlichen und hemmenden Bedingungen der Persönlichkeitsentwicklung und der Unterrichtskompetenz sowie auf dem Befinden in den Praktika. Leitung: Emmerich Boxhofer.
  • TEDCA-11 bezieht sich auf die Studierenden und Absolvent/innen der PH Steiermark aus den vier Jahrgängen zwischen 2011 und 2014. Damit wird die Gesamtstichprobe um jüngere Jahrgänge ergänzt. Die Erhebungen zu TEDCA-11 umfassten bisher persönliche, fachliche und akademische Merkmale zu Beginn und im Verlauf des Lehramtsstudiums, als auch berufsbezogene Merkmale, wie z.B. Berufswahlmotive und berufliche Überzeugungen. Leitung: Georg Krammer.

Im Mai und Juni 2018 erfolgt – erstmals unter der Projektbezeichnung TEDCA – eine koordinierte Befragung aller erreichbaren, bisher in die einzelnen Teilstudien involvierten Lehrpersonen. Die angeschriebene Stichprobe umfasst rund 7.000 Absolvent/innen der PAs bzw. PHs in ganz Österreich. Die Fragebogen beinhalten Skalen zur Persönlichkeits-, Interessen- und Kompetenzstruktur, zum arbeitsbezogenen Verhaltens- und Erlebensmuster, zum Lernen und zum Befinden im Beruf sowie zu den bereits getroffenen oder beabsichtigten Laufbahnentscheidungen. Dieser thematische Kern wird in den einzelnen Teilstudien durch spezifische, sich aus deren bisherigen Verlauf ergebende Inhalte ergänzt.

Die TEDCA-Daten stammen von (angehenden) Lehrkräften an Volksschulen, Neuen Mittelschulen und Polytechnischen Schulen. Lehrpersonen anderer Lehrämter werden auf zwei Wegen berücksichtigt: zum einen durch ergänzende Querschnittuntersuchungen mittels identischer Erhebungsverfahren, zum anderen durch die Nutzung von Daten und Befunden aus der internationalen Längsschnittstudie „Entwicklung von Motivation und Wissen in der Lehrerbildung“ (EMW). Dadurch können Aussagen zur Übertragbarkeit von Befunden aus TEDCA auf andere Lehrämter gemacht werden.

Projektarchitektur

Projektarchitektur

Im Projekt fungieren die 13 Pädagogischen Hochschulen sowie die Alpen Adria-Universität Klagenfurt als institutionelle Kooperationspartnerinnen. Mitarbeiter/innen dieser Institutionen sind für die technische Umsetzung des Projekts und die Bearbeitung der wissenschaftlichen Fragestellungen zuständig. Wissenschaftler/innen aus dem In- und Ausland kommen als weitere Kooperationspartner/innen hinzu. Sie wirken an der Analyse der anfallenden Daten mit, wobei sie sich auf bestimmte, aus ihren persönlichen Forschungsschwerpunkten kommende Themen konzentrieren.

Die Leitung des Gesamtprojekts liegt bei Johannes Mayr, der während seiner Tätigkeit an der PA der Diözese Linz die Teilprojekte TEDCA-85, TEDCA-95 und TEDCA-01 initiiert hatte. Er bildet nun zusammen mit den aktuellen Leiter/innen der Teilprojekte das Leitungsteam von TEDCA.

Die Finanzierung der Teilprojekte erfolgte in den zurückliegenden Jahren im Wesentlichen aus Mitteln der Forschungsförderung des Bildungsministeriums und aus Förderprogrammen der EU. Die laufenden Aktivitäten von TEDCA werden durch die Institutionen des Projektteams und der externen Fachleute sowie aus dem Projekt Career Counselling für Teachers (CCT) finanziert.

Mitarbeiter/innen der Pädagogischen Hochschulen

Theoretischer Hintergrund und Instrumente

Theoretischer Hintergrund und Instrumente

Als theoretisches Rahmenmodell fungiert das Angebots-Nutzungsmodell des Lernens: Es wird darin vereinfacht dargestellt angenommen, dass Eingangsmerkmale der Studierenden (z. B. ihre Interesse an der Lehrerarbeit) die Wahrnehmung von Lerngelegenheiten im Studium und im Beruf beeinflussen (z. B. Angebote zum Wissenserwerb) und dass diese Lernprozesse maßgeblich an der Entwicklung professioneller Kompetenz (z. B. im Unterrichten) beteiligt sind. Diese Kompetenz sollte sich bei passendem Umfeld auch im Handeln niederschlagen und sich auf das Befinden auswirken (z. B. auf die Berufszufriedenheit). Letzteres sollte Rückwirkungen u. a. auf die Berufsmotivation, den Fortbildungsverlauf und den Verbleib im Beruf haben (Lipowsky, 2010; Mayr, 2012).

Dieses Rahmenmodell bietet Platz für Theorien zu unterschiedlichen Bereichen, wie z. B. Persönlichkeits- und Interessenstruktur (McCrae & Costa, 2008; Holland, 1997), Lerngelegenheiten in Studium und Beruf (Heise, 2013; Oser, 2001), Lernstrategien (Wild, qx), Unterrichtsqualität (Helmke, 2009), Selbstwirksamkeitserwartung (Schmitz & Schwarzer, 2002), arbeitsbezogenes Verhaltens- und Erlebensmuster (Schaarschmidt & Fischer, 2001) oder Berufszufriedenheit und Belastung (Ipfling, Peez & Gamsjäger, 1995).

Bei den verwendeten Instrumenten handelt es sich teilweise um Originalverfahren der zitierten Autoren (z. B. AVEM, AIST, NEO-FFI), teilweise um Eigenentwicklungen, die ausgehend von den entsprechenden Bezugstheorien für den speziellen Untersuchungszweck adaptiert oder neu konstruiert wurden (z. B. die auf den Lehrerberuf bezogenen Skalen LIS und LPA; Brandstätter & Mayr, 1994; Mayr, 1998).

Bisherige Ergebnisse

Bisherige Ergebnisse

Im bisherigen Verlauf der Teilstudien fielen umfangreiche wissenschaftliche Befunde an, von denen hier nur einige exemplarisch skizziert werden können:

  • Intrinsische Berufswahlmotive, Interessen (z. B. soziales Interesse) und Persönlichkeitsmerkmale (z. B. Gewissenhaftigkeit) wirken sich günstig auf das Lernen im Studium und im Beruf sowie auf das berufliche Handeln und Befinden aus.
  • Lernprozesse – vor allem solche, die durch eigene Erfahrungen im Unterrichten angestoßen werden – erweisen sich als förderlich für die Kompetenzentwicklung.
  • In der Persönlichkeitsentwicklung zeigt sich eine Zunahme der Gewissenhaftigkeit und Stabilität und ein Rückgang der Extraversion im Verlauf des Studiums und der ersten Berufsjahre. Persönliche Erfahrungen (z. B. die soziale Einbettung im Studium) beeinflussen diese Veränderungen.
  • Die berufsspezifischen Interessen ändern sich in Abhängigkeit vom Ausgangsniveau. Bei anfänglich überhöhter Einschätzung der Attraktivität der Lehrerarbeit kommt es zu einem Abfall des Interesses, bei anfänglich geringem Interesse stagniert dieses auf niedrigem Niveau.
  • Die lehrerbildenden Institutionen unterscheiden sich trotz identischer gesetzlicher Rahmenbedingungen markant darin, in welchem Umfang sie theoretische Auseinandersetzung und praktisches Üben ermöglichen.
  • Trotz der angeführten individuellen Veränderungen und der Unterschiede im Studienangebot erlauben die Persönlichkeits- und Interessenmerkmale der Studienanfänger/innen eine langfristige Prognose berufsrelevanter Erfolgskriterien, insbesondere des Befindens im Beruf.
  • Es sind darüber hinaus auch Vorhersagen möglich, wie weit später bestimmte berufliche Karrieren angepeilt werden, z. B. eine Schulleiterlaufbahn.

Diese wissenschaftlichen Befunde haben die Entwicklung von Materialien für die Beratung und Kompetenzförderung angehender und im Beruf stehender Lehrpersonen angestoßen oder zumindest beeinflusst. Das gilt insbesondere für das Online-Programm Career Counselling for Teachers (CCT; www.cct-austria.at, www.cct-germany.de, www.switzerland.ch) sowie den Linzer Diagnosebogen zur Klassenführung.

Publikationen (Auswahl)

Publikationen (Auswahl)

Boxhofer, E. (2014). SPAVEM – Schulpraxisbezogenes Verhaltens- und Erlebensmuster im Kontext der Änderungen von Persönlichkeitsmerkmalen. In I. Benischek et al. (Hrsg.), Empirische Forschung zu schulischen Handlungsfeldern, Bd. 4 (S. 21–36). Wien: facultas.

Hanfstingl, B. (2008). Eine interessentheoretische und differentialpsychologische Betrachtung der Entwicklung von berufsspezifischem Interesse bei Lehrer/innen. In E.-M. Lankes (Hrsg.), Pädagogische Professionalität als Gegenstand empirischer Forschung (S. 123–136). Münster: Waxmann.

Lenske, G. & Mayr, J. (2015). Das Linzer Konzept der Klassenführung (LKK). Grundlagen, Prinzipien und Umsetzung in der Lehrerbildung. In Jahrbuch für Allgemeine Didaktik 2015 (S. 71–84). Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.

Mayr, J. (1994). Junge LehrerInnen: Interessen, Kompetenzen und Befindlichkeit – und zwei Blicke zurück. In J. Mayr (Hrsg.), Lehrer/in werden (S. 177–199). Innsbruck: Österreichischer Studienverlag.

Mayr, J. (2006). Persönlichkeitsentwicklung im Studium. Eine Pilotstudie zum Wirkungspotenzial von Lehrerbildung. In A. H. Hilligus & H.-D. Rinkens (Hrsg.), Standards und Kompetenzen – neue Qualität in der Lehrerausbildung? Neue Ansätze und Erfahrungen in nationaler und internationaler Perspektive (S. 249–260). Berlin: Lit.

Mayr, J. (2006). Theorie + Übung + Praxis = Kompetenz? Empirisch begründete Rückfragen zu den „Standards in der Lehrerbildung“. In C. Allemann-Ghionda & E. Terhart (Hrsg.), Kompetenzen und Kompetenzentwicklung von Lehrerinnen und Lehrern: Ausbildung und Beruf. 51. Beiheft der Zeitschrift für Pädagogik (S. 149–163). Weinheim: Beltz.

Mayr, J. (2007). Wie Lehrer/innen lernen. Befunde zur Beziehung von Lernvoraussetzungen, Lernprozessen und Kompetenz. In M. Lüders & J. Wissinger (Hrsg.), Forschung zur Lehrerbildung. Kompetenzentwicklung und Programmevaluation (S. 151–168). Münster: Waxmann.

Mayr, J. (2012). Lehrer/in werden in Österreich. Empirische Befunde zum Lehramtsstudium. In T. Hascher & G. H. Neuweg (Hrsg.), Forschung zur (Wirksamkeit der) Lehrer/innen/bildung (S. 1–29). Wien: Lit.

Mayr, J., Müller, F. & Nieskens, B. (2016). CCT – Career Counselling for Teachers: Genese, Grundlagen und Entwicklungsstand eines webbasierten Beratungsangebots. In A. Boeger (Hrsg.), Eignung für den Lehrerberuf: Auswahl und Förderung (S. 181–214). Wiesbaden: Springer VS.

Mayr, J. & Neuper, W. (1991). Persönlichkeitsmerkmale, pädagogische Einstellungen und Beurteilungshandeln. Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie, 12, 185–192.


Kontakt

Kontakt

HS-Prof.in Mag.a Dr.in Barbara Pflanzl


Kontakt:

T: +43 (0) 316 8067 6406
E: barbara.pflanzl@phst.at

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